Ich war dort. 6. Reihe., Platz 23 im Audi Max der Universität Wien. Anton Zeilinger (Quantenphysiker), Wolf Singer (Neurowissenschaftler) und einige andere Koryphäen diskutierten mit dem Dalai Lama über Phänomene aus der Quantenmechanik, Hirnforschung, Buddhismus, Psychoanalyse und Religionsforschung. Ich bin zutiefst dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, dabei zu sein.
Die wichtigste Frage war “Was ist Realität?” 
Einstein sagte “Wissenschaft ist Realität.” Sein Kollege Bohr war anderer Meinung. Realität sei das, was darüber gesagt werden könne. Es gibt einen überlieferten Dialog der beiden, der das ganze Dilemma um die Frage der “wirklichen Wirklichkeit” verdeutlicht.
Einstein: “Glaubst du, dass der Mond nicht da ist, wenn ihn niemand ansieht?”
Bohr: “Kannst du beweisen, dass der Mond da ist, wenn ihn keiner ansieht?”
Der Dalai Lama meinte, dass die Realität stärker würde, je mehr Menschen den Mond ansehen würden. Zeilinger konterte, für den wissenschaftlichen Beweis reiche es, wenn einer ihn sehen würde.
Die Quantenmechanik habe bewiesen, dass die Realität nur existiert, wenn man sie misst. Der Buddhismus geht davon aus, das nichts im Universum unabhängig von einander existiert. Das bedeutet, es gibt immer eine Ursache und immer einen abhängigen Effekt. Die gesamte Lehre von den karmsichen Prinzipien basiert auf dieser Logik. Die Quantenmechanik geht vom Gegenteil aus. Alles ist zufällig. Im logischen Disput mit dem Dalai Lama musste Zeilinger jedoch eine Niederlage einstecken. Er musste zugeben, dass es nicht bewiesen ist, dass es keine Ursache gibt!
Sehr interessant war das Bekenntnis von Wolf Singer, einem bekannten Neurowissenschaftler, dass die Hirnforschung vor unzähligen ungelösten Fragen stünde. Er beschrieb das Gehirn als komplexes, selbstorganisierendes System mit nicht-lineare Dynamik und hoher Dimensionalität.Das Gehirn ist immer aktiv, 24 Stunden am Tag, auch wenn wir schlafen. Deshalb ist es so wichtig, den Traumzustand endlich als dem Tagesbewusstsein gleichwertigen Zustand zu sehen und mit der gleichen Intensität zu erforschen.
Die Neurowissenschaft steht vor einem großen Durchbruch. Ich bin extrem gespannt, wie es weiter geht. Ich bin überzeugt, dass die nächsten zehn Jahre Erkenntnisse bringen werden, die wir uns heute in den kühnsten Träumen ncht vorstellen können.
“Die größten Entdeckungen wurde nicht durch den Vorsatz, eine neue Maschine oder Gerät zu erfinden gemacht, sondern durch schiere Neugierde. Meist führten vollkommen falsche Konzepte zu einem Durchbruch.” sagte Anton Zeilinger zur Beruhigung.
Die größten Wissenschaftler der Welt bestätigten in diesen Stunden, dass sie eigentlich nicht wüssten, wie die Welt funktioniert. Die Leidenschaft, mehr darüber herauszufinden, brannte trotz fortgeschrittenen Alters ungehemmt. Diese Kraft ist es, die uns weiterbringt. Wenn wir etwas in unserem Leben finden, dass uns bis in die letzte Zelle begeistert, werden wir ein erfülltes Leben führen und unser Gehirn wird sich beständig weiterentwickeln. Wer weiß, was noch auf uns zu kommt!